Der Wald ist meines Erachtens eine der schönsten Fotokulissen überhaupt. Aber so besonders und schön er auch ist: Für Fotograf:innen birgt der Wald als Fotolocation durchaus seine Tücken.
Daher hab’ ich dir hier meine 6 Top-Tipps rund ums Fotografieren von Menschen im Wald zusammengeschrieben. Darin stecken all meine Erfahrungen und meine Learnings aus Fehlern, die du kennen solltest. Viel Spaß beim Lesen!
Tipp #1:
🌟 Meine persönliche Goldene Regel: Suche IMMER einen Spot im Wald, an den neutrales Licht vom Himmel einfällt!
Das ist typischerweise am Waldrand perfekt oder wenn du eine größere Lichtung im Wald findest. So hast du eine klare Licht- und Schattenseite und eine neutralfarbige Lichtquelle. Genau das formt ein Gesicht und sorgt für schöne, farbstichfreie Hauttöne.
Versuche dieses neutrale Licht bewusst zu nutzen. Ich bitte etwa meine Models immer wieder, den Blick über den Himmel schweifen zu lassen und sich in Richtung Himmel zu drehen.
Das Problem im Wald ist nämlich oft: Mittendrin fehlt jegliches gerichtetes Licht. Ein Gesicht bekommt Licht von überall und nirgendwo gleichzeitig – das Ergebnis ist flach und undefiniert, die Hauttöne matschig bis farbstichig.
Das sind übrigens Themen, denen wir uns in meinem Hauttöne-Onlinekurs sehr intensiv widmen. 😉 Wenn du oft an der Bearbeitung von Hauttönen verzweifelst, schau gerne rein!

Hier hatten wir von schräg vorne eine große Lichtung mitten im Wald, die für eine superschöne Ausleuchtung des Paares sorgte.
Tipp #2:
☀️ Nutze direkte Sonnenstrahlen!
Ich bin überzeugt, der Wald bietet zu jeder Tageszeit enorm viel Potenzial für geniale Fotos. Wenn die Sonne tief steht – also kurz nach Sonnenauf- oder vor Sonnenuntergang – wirken einfallende Sonnenstrahlen besonders magisch. Dunst oder leichter Nebel verstärken diese Strahlen noch zusätzlich…
Aber auch die hoch stehende Sonne bietet Chancen, wenn sie so richtige Spotlichter im Wald erzeugt. Positioniere dein Model genau in diesen Spots und experimentiere mit dem extremen Lichteinfall.
Manchmal entstehen so richtige Eyecatcher-Bilder. Experimentieren lohnt sich also!
Und noch ein Tipp: Wenn der Waldboden staubig ist, kann man eine spannende Stimmung erzeugen und mit den Füßen Staub aufwirbeln, auf den die Sonne einfällt. 😉

Was für ein cooler Spotlight-Effekt, wenn ein Sonnenstrahl direkt auf das Hauptmotiv trifft.
Tipp #3:
🛣️ Suche eine Linie, die führt.
Wälder sind chaotisch. Das menschliche Auge braucht einen Anhaltspunkt, also einen Weg oder einen Bach, die ins Bild hineinführen. Ohne führende Linien wirken Waldfotos schnell unruhig und überladen.
🪷 Tipp #4:
Aus Unruhe wird Tiefe..
Die ideale Brennweite des Objektivs im Wald ist finde ich situationsabhängig. Oft hat man einfach nicht den nötigen Platz für lange Brennweiten wie z.B. 85mm, die durch starke Kompression und intensive Unschärfe wiederum für viel Ruhe im Bild sorgen (das folgende Bild hab’ ich z.B. mit 85mm und der Panorama-Methode aus meinem neuen Kurs aufgenommen).

Wenn ausreichend Platz ist, greife ich auch im Wald sehr gern auf ein Teleobjektiv zurück, weil der Freistelleffekt für Ruhe im Bild sorgt. Außerdem achte ich immer aufführende Linien wie einen Weg, der den Blick klar lenkt.
Ein intensiver Freistelleffekt ist aber auch mit kürzeren Brennweiten wie einem 35mm-Objektiv möglich.
Wichtig ist hierfür einfach: Je näher du am Motiv bist und je größer der Abstand zwischen Motiv zum Hintergrund, umso intensiver fällt dieser Freistelleffekt aus.
Tipp #5:
🏮 Nutze eine zusätzliche Lichtquelle!
Ich nehme mir mitten im Wald liebend gern eine Laterne oder sonstige Leuchtmittel zur Hilfe, um etwas gerichtetes Licht auf Gesichter zu zaubern. Und das Effekt-Licht sorgt für diesen mystischen, verträumten Look, den ich persönlich so liebe. Achte dabei nur darauf, dass die Laterne halbwegs auf Augenhöhe deiner Models ist, denn Licht von unten ergibt es ein eher unschönes “Up Light” auf Gesichtern und erinnert schnell mal an Horrorfilme! 😅

Tipp #6:
🌳 Nutze Waldausgänge für Silhouettenfotos!
Richtig spannend finde ich auch, Waldein- bzw. -ausgänge für Silhouetten-Bilder zu nutzen. Solche Bilder sind nämlich relativ einfach zu machen, es braucht nur eine Öffnung im Wald, in dem dein Model Platz nimmt und du fotografierst von innen nach außen. Und meistens von sehr tief unten, damit die komplette Silhouette sichtbar ist! 😉

Ich hoffe, mein Input hat dir gefallen und du konntest ein klein wenig Inspiration für Aufnahmen im Wald mitnehmen! 📸
Bei Fragen, Wünschen, Anregungen, schreib mir gerne! 🖌️
Alles Liebe,
Daniela