Ein Selbstporträt ist viel mehr als nur ein schnelles Selfie. Ich nehme mir dafür bewusst alle paar Wochen einige Stunden Zeit, in der ich nur mit mir und meiner Kamera unterwegs bin – ganz ohne Hektik und am besten auch ganz ohne Erwartungen. Denn wenn mal nichts dabei rauskommt? Who cares? Es geht ja nur um dich selbst! Und allein diese Zeit nur für sich ist es allemal Wert! 🙂
In diesem Blogpost gehe ich darauf ein, welches Equipment und welche Einstellungen ich für Selbstporträts persönlich nutze und empfehlen kann.
Dabei sei aber auch gleich gesagt: Viele Wegen führen nach Rom und auch zu einem gelungenen Selbstporträt. Ich verrate dir hier einfach meine Learnings und was für mich persönlich warum am besten klappt!
Was du brauchst: die Grundausstattung
Für gelungene Selbstporträts ist gar nicht viel notwendig. Mit dieser kleinen Grundausstattung bist du perfekt gerüstet – du brauchst:
- Eine Kamera mit Selbstauslöser-Funktion oder besser noch mit der Intervallfunktion (wie du diese nutzt, erklär ich dir weiter unten bei den Umsetzungstipps).
- Eine stabile Unterlage, worauf du deine Kamera platzieren kannst – im Idealfall ein Stativ, denn so kannst du die optimale Höhe (z.B. auf Augenhöhe mit dir) viel besser anpassen.
- Optional: einen Fernauslöser oder ein Smartphone zur Steuerung der Kamera.
- Ein schönes Plätzchen. Achte dabei vorab auf eine spannende und harmonische Komposition – z.B. auf Linien, die ins Bild führen (ein Weg), eine spannende Symmetrie, u.v.m. Ich nutze auch immer gern viel “Weite” hinter mir, sodass der Hintergrund schön in der Unschärfe verschwimmt und nicht an mir “klebt”. 😉
- Und last but not least natürlich geeignetes Licht. Indoor eignet sich etwa ein Ort mit schönem Fensterlicht, wo das Licht seitlich oder frontal auf dich fällt, gut. Outdoor nutze ich sehr gerne das Licht der tief stehenden Sonne, also morgens oder abends. Vermeide direktes, hartes Licht von oben (z.B. zur Mittagszeit)

Aufnahmedaten: f/1.2, 1/500 Sek., ISO 320, 85mm (9 Fotos zusammengesetzt)
Sinnvolle Kamera-Einstellungen
Selbstporträts gelingen am besten, wenn du deiner Kamera ein bisschen die Arbeit erleichterst und die Einstellungen bewusst auswählst.
Aber welche Kamera-Einstellungen machen da am meisten Sinn?
Da ich ausschließlich im Manuellen Modus fotografiere, hier meine “üblichen” Einstellungen und ein paar Gedanken dazu:
Zur Blende:
Bei Selbstporträts nutze ich eine seeeeehr offene Blende – meist zwischen 1.4 und 2.8, da ich den Augen erkennenden Autofokus nutze. Der funktioniert an meiner Nikon Z8 schon richtig gut und ich kann sehr sicher sein, dass die Schärfe meistens on point ist. (Mehr zum Augen-Autofokus und was du tun kannst, wenn deine Kamera den nicht hat, dazu komme ich noch weiter unten).
Zur Belichtungszeit:
Die Belichtungszeit stelle ich möglichst kurz ein, auch abhängig davon, ob ich mich bewege oder die Bilder eher statisch werden, also wenn ich sitze zum Beispiel. Mindestens jedoch stelle ich die Zeit auf 1/250 Sekunden, sofern die Bilder knackscharf werden sollen – wenn möglich nutze ich 1/500 Sek. oder noch kürzer. Bei bewusster Bewegungsunschärfe, also z.B. wenn du dich selbst unscharf durchs Bild wandernd zeigen möchtest und nur der Hintergrund soll scharf bleiben, dann kannst du die Zeit natürlich viel kürzer wählen (z.B. 1/40 Sek.).
Zur ISO:
Mit der ISO gehe ich so hoch wie nötig – bis ca. ISO 2000, höher ist selten notwendig. Aber das ist auch kameraabhängig, je besser die Kamera, desto weniger Rauschen hast du bei hoher ISO.

Eins meiner ersten Selbstporträts mit meinen Kindern 2020. Die Aufnahme lieb ich immer noch, da sie eine so wertvolle Erinnerung an diese Zeit darstellt. Dieses Buch haben wir gefühlt 3x täglich gelesen! Aufnahmedaten: f/2.5, 1/320 Sek., ISO 320, 35mm
Tipps für die Umsetzung
Am besten funktionieren für mich Selbstporträts mit der Funktion Intervallaufnahme (zu finden an meiner Nikon unter “Fotoaufnahme” – “Intervallaufnahme”) und nicht mit dem Selbstauslöser.
Die Intervallaufnahme-Funktion hat den Vorteil, dass du beliebig viele Bilder aufnehmen kannst und nicht nur 9 wie per Selbstauslöser. So sparst du dir das ständige Hinlaufen zur Kamera, das den Flow stört.

Hier meine üblichen Einstellungen in der Funktion “Intervallaufnahme”.
Hast du alles eingestellt, brauchst du nur noch auf “Start” zu drücken und es geht sofort los mit den Serienaufnahmen.
Ich wähle üblicherweise nach ein paar Testserien mit zirka 10 Bildern dann 50 oder mehr Bilder für eine Aufnahme-Serie aus mit einem Abstand von einer oder zwei Sekunden zwischen den Aufnahmen. Außerdem aktiviere ich, dass die Kamera vor jeder Aufnahme scharf stellt!

Warum? Sobald man sich vor der Kamera bewegt, erhöht das die Chance auf viele scharfe Bilder.
Bei älteren Kamera-Modellen kannst du das womöglich nicht auswählen, aber mit der richtigen Fokuseinstellung – siehe unten – sollte deine Kamera ohnehin jedes Mal neu scharf stellen.

Aufnahmedaten: f/1.2, 1/400 Sek., ISO 500, 85mm
Alles im Fokus: mit diesen Einstellungen klappt’s
Ich nutze immer einen kontinuierlichen Autofokus (AF-C bei Nikon oder AI Servo bei Canon), sobald irgendwie Bewegung im Spiel ist.
Dann aktiviere ich wie gesagt den Augen-Autofokus. Die Nikon Z8 und vergleichbare Kameras sind mittlerweile schon so klug, dass sie, auch wenn du dich drehst und gerade keine Augen zu sehen sind, auf das Motiv, also dich scharf stellen. Die Ergebnisse sind also fast immer brauchbar.
Falls deine Kamera den Augen-Autofokus aber noch nicht hat, probier’ die Möglichkeit des 3D-Trackings aus.
ODER:
Alternativ kannst du auch einen Gegenstand an den Platz stellen, den du dann einnehmen möchtest, um vorab den Fokus darauf einzustellen (eine Wasserflasche, ein Kissen, was auch immer du grad zur Hand hast).
Versuche dann aber beim Fotografieren, immer auf diesem Ebenenabstand zu bleiben und nicht nach vor oder zurück zu wandern, sonst sitzt der Fokus nicht mehr.
Falls du diese Variante wählst, ist es auch sinnvoll, die Blende etwas weiter zu schließen, denn je größer die Blendenzahl (z.B. 5.6 oder höher), desto tiefer ist der Schärfebereich und der erlaubt dir leichte Abweichungen in der Distanz.

Hier hab’ ich auch der Einfachheit halber vorab eine Wasserflasche an die Stelle platziert, wo ich dann hingelaufen bin. Ich hab’ zuerst auf die Flasche fokussiert und hab’ mich dann genau an dieser Stelle bewegt. Aufnahmedaten: f/1.8, 1/400 Sek., ISO 125, 85mm
Vergiss DAS nicht, sonst hast du unscharfe Bilder
Wahrscheinlich hast du ja den Bildstabilisator aktiviert! Das macht auch Sinn, denn der hilft dir, leichte Verwacklungen beim Fotografieren auszugleichen.
Aber – und jetzt kommt der wichtige Punkt – wenn deine Kamera völlig still auf einem Stativ steht, dann versucht sie ja bei aktiviertem Bildstabilisator Verwacklungen auszugleichen, die gar nicht da sind! Denn sie steht ja völlig still, da bewegt sich nichts, das sie ausgleichen könnte.
Das führt im schlimmsten Fall eben zu leicht unscharfen Bildern – daher stell den Bildstabilisator bei einer Selbstporträt-Session bzw. immer, wenn du mit dem Stativ fotografierst, aus.
ABER: Vergiss nicht, ihn danach wieder einzuschalten!
Sonst geht’s dir im schlimmsten Fall wie mir und du machst eine komplette Fotosession später ohne Bildstabilisator und ärgerst dich dann über viele unscharfe Bilder … 🙈🙈

In Wanderschuhen mit Shootingkleid einfach mal atemberaubende Locations abgrasen, das mach’ ich wahnsinnig gerne. Aufnahmedaten: f/2.5, 1/1000 Sek., ISO 200, 85mm
Aber jetzt kann’s losgehen!
Alles eingestellt? Ja, dann mach zuerst immer mal ein paar Testfotos – prüfe, ob der Fokus sitzt und ob der Bildausschnitt stimmig ist. Denn nichts ist ärgerlicher, als eine ganze Reihe an Bildern, in denen du tolle Movements eingefangen hast und es ist aber jedes Mal der Kopf angeschnitten … 🤣🙈 (been there, done that …)
Aber dann heißt es: loslassen…
Versuch’ nicht zu perfekt zu sein, sondern einfach nur die Momente zu genießen. Lass deinen Blick über den Himmel wandern, dreh’ dich, tanze, mach’, wonach dir ist!
Und sei geduldig mit dir. Vielleicht dauert es ein paar Anläufe, aber genau das ist ja auch das Schöne: Du darfst dir bei deinen Selbstporträts Zeit lassen. (Mein Tipp: Plane daher auch wirklich mehrere Stunden ein, du wirst sie brauchen! 😅)

Hier hab’ ich meine Vision mithilfe von KI – die Schmetterlinge wurden über Adobe Firefly generiert – umgesetzt. Ich lieb’ es, einfach nur Bilder von mir für mich selbst zu machen, das steht bei Selbstporträt-Sessions für mich im Vordergrund. Daher freu’ ich mich immer wie ein kleines Kind, wenn ich mir dafür Zeit freigeschaufelt hab’. Aufnahmedaten: 1/800 Sek., f/2.2, ISO 160, 85mm
Selbstporträts sind ein liebevoller Blick auf dich. Sie zeigen nicht, wie du “aussehen sollst”, sondern wie du wirklich bist.
Ich hoffe, dieser Beitrag hat dir Mut gemacht und Lust, dich ganz bald selbst vor die Kamera zu schmeißen! 😂
Und wenn du Fragen hast – schreib mir gern.
Alles Liebe,
Daniela